16.05.09
Vorarbeiter Salko “Erhart” W.

Vorarbeiter Salko “Erhart” W.

“Werken” der Klasse 1e der Hauptschule Kleinmünchen

Als das Papierbauwerk „AkropolisLinz“ in Angriff genommen wird, wird direkt nebenan eine weitere Baustelle eröffnet: ein Basketball- und Fußballplatz inklusive Bandengitterelementen aus Stahl. Auf die Anfrage erklären die dort beschäftigten Bauarbeiter, dass schon mal die Vorgängervariante aus Holz abgebrannt ist.
Besuch einer Gruppe Jugendlicher, ca. 17 Jahre alt. „Wer seids denn Ihr?“ wird offensiv das Gespräch eröffnet. Mit „Und was macht’s, wenn’s brennen tuat?“ und „Was soll des überhaupt?“ wird das Projekt weiter untersucht. „Aber im Ernst, wenn’s brennt, was mocht’s do?“ wird weiter auf eine Antwort auf die scheinbar brisante Frage gepocht. „Wer soll das denn anstecken, wir kennen doch mittlerweile jeden Jugendlichen hier. Die haben doch alle schon geholfen, die Akropolis zu bauen.“, geben wir zurück. „Naa!“, erwidert Stephan, „Nit die Jugendlichen, die Erwochsenen stecken’s ohh.“ Nachdem die Akropolis bei Mondlicht betreten wird, verlassen die Jugendlichen das Gelände.
13.15 Uhr
Frau Magerts nähert sich mit ihrem Hund und zwei Enkeln der Baustellen und verbietet am Zaun stehend den Kindern das Herumlaufen auf der Akropolis. „Das ist a Baustelle! Da dürfens nit sahh. Kommt’s her, sofort!“ ermahnt Fau Magerts.
Wir kommen ins Gespräch über Sinn und mehr Unsinn des Projekts. Es wird ausgiebig über Brennbarkeit des Materials und die Gefährdung der Jugendlichen und Kinder beim Spiel mit dem Feuer diskutiert. Sie gibt sich erstaunt über den hohen Anteil an hilfsbereiten Ausländern auf der Akropolisbaustelle und berichtet ausgedehnt über die Verhältnisse zwischen Einheimischen und ‚Ausländern’ im Allgemeinen und in Auwiesen im Speziellen. „I konn Ihnen sogn. I bin a oalde Auwies’nerin und bin do geboren. Was sich hier ols verändert hat. Da war einem früher wohler in Auwiesen. Heit wirst nur no beschimpft von die Kinder, vor Allem von die Ausländischen!“, behauptet Sie. Andererseits, so Frau Magerts weiter: „I hob Bosnische Nachbar. Olso, die Leit, a Traum!, kann I Ihnen sogn. Besser ols manche Östereicher!“
14.05 Uhr
Die Klasse 1E der Hauptschule Kleinmünchen erscheint geschlossen auf dem Bauplatz. Nach kurzer Einführung fangen alle an Pappsteine zu falten. Vom Klassenlehrer Herrn Egger werden Achmat und Sedat zum Mauern auf das Gerüst geschickt. Sehr schnell sind im hinteren Tempelbereich des Parthenons zwei Steinreihen an Höhe gewonnen. Sie arbeiten schnell und präzise.
15.35 Uhr
Es schließt sich die Klasse 3a von Frau Mittelböck an und übernimmt die Baustelle. Die älteren Schüler benötigen keine Einführung, wenden sich sofort dem Material zu und falten Steine. Wenige andere Bauhelfer werden von der Baustelle verdrängt. Nach etwa 1,5 Stunden ist das Mauerwerk um einiges in die Höhe gewachsen. In der Höhe geht die Arbeit auf Kosten der Präzision und Stabilität. Bisher ist niemand von den Behörden zur Kontrolle auf der Baustelle erschienen. Am Zaun wird von Erwachsenen diskutiert, wie lange das schiefe Mauerwerk halten wird.
tschetschenische Bauhelfer

12.05.09
10:20 Uhr
Es regnet. Frau Schmiedt kommt mit ihrem Hund Moses zum Bauplatz. „Darf ich Ihnen einen Rat geben? Sie müssen die Akropolis einmal richtig nass regnen lassen, dann brennt sie nicht mehr so gut!“ Der Einwand, dass darunter die Stabilität des Bauwerks leiden würde, wird kommentiert: „Jaja, immer diese Stabilität, aber es gibt ja immer 10% der Jugendlichen, die irgendetwas anzünden, und die anderen 90% kommen bestimmt nicht zum Löschen her!“. Moses bellt. Es regnet weiter.
Baustelle

Erneut sehr warm. Vormittags wenig los auf der Baustelle. Gegen 15 Uhr kommen ca. 20 Jugendliche in Begleitung dreier junger Erwachsener. Sie stellen sich vor als Teilnehmer bzw. Veranstalter eines HipHop-workshops. Sie erkundigen sich nach dem Bauprojekt und einer möglichen Kooperation und der Perspektive auf der Akropolis zu performen.
Eine der Teilnehmerinnen erkundigt sich mit einem Eis in der Hand nach dem Sinn der AkropolisLinz: „Und was macht Ihr, wenn’s regnet?“ Auf die Antwort: „Nichts!“ reagiert sie fragend: „Aber warum macht man dann so etwas überhaupt, wenn es beim ersten großen Unwetter schon wieder zerfällt?“ Die Bemerkung, das von der Akropolis in Athen schließlich auch nicht mehr viel mehr übrig sei, als man in Linz bereits gebaut hätte, wird mit: „Das ist ja wohl was ganz anderes!“ quittiert. Auf die Frage, was denn von ihrem Eis noch übrig wäre, nachdem sie es aufgegessen hätte, antwortet sie: „Nichts!“. Auf die Bemerkung, dass man vermuten dürfe, dass sie sich sicherlich noch an das Vergnügen beim Eisessen erinnern könne, und das es sich mit dem Bau der AkropolisLinz genauso verhielte, kontert sie, sie sei sehr vergesslich.
Vormittag:
Es bricht ein erneut sonniger, heißer Tag an. Auf der Baustelle alles ruhig. Warten auf Mitarbeiter. Ich mache mir Gedanken, ob die Auwiesener die Akropolis überhaupt wollen. Bisher ist es ein Auwiesener Kinderbauwerk, kein Stadtteilbauwerk. Nach dem gestrigen Stimmungstief tut eine Erholungspause gut.
Nachmittag:
Nach einigen Versuchen, ein praktikleres Verhüllen der Pappbaustelle bei Regen zu ermöglichen, geben Georg und ich auf. Wir bleiben bei der bisherigen Variante des einfachen Folien über alle Mauern werfens.
Gegen 16 Uhr kommt plötzlich ein Schaar 14-16jähriger Jugendlicher, die alle mithelfen und in Windeseile 50 Steine falten und den hinteren Tempelbereich aufmauern. Es handelt sich um regionaler Breakdancer, die sich zum Richtfest einen Auftritt vorstellen können. Gegen 18.00 Uhr ist der Ansturm vorbei. Wir decken ab.
“nach dem HipHop-workshop zur Akropolisbaustelle”
